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Mal wieder gemeinsam an einem Tisch sitzen, das wäre schön!

Geistliches Wort zum 3. Sonntag nach Epiphanias (24.01.2021) von Kirchenrätin Anne Heitmann

 

Gemeinsam an einem Tisch, mit denen, die mir lieb sind aus nah und fern. Gemeinsam an einem Tisch aber auch mit denen, die ich erst noch näher kennen lernen will. Oder mit jemandem, dem ich etwas Gutes tun möchte. Oder auch mit einer, mit der ich mich versöhnen möchte. Gemeinsam an einem Tisch sitzen – das fehlt.
 
Im Wochenspruch (Lukas 13,29) heißt es: „Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tische sitzen werden im Reiche Gottes.“  
Jesus macht immer wieder deutlich, wie entscheidend Tischgemeinschaft für unser Miteinander ist: im Alltag, für unser Zusammenleben und für unser Verhältnis zu Gott. Tischgemeinschaft ist ein Schatz, nicht zuletzt ein geistlicher Schatz. In der Tischgemeinschaft im Abendmahl, da ist er mitten unter uns.
 
Jesus lebt diese Tischgemeinschaft, indem er mit denen isst, die ausgeschlossen sind. Er erzählt von ihr und in Gleichnissen wird sie zum Bild für das Reich Gottes – wie in unserem Wochenspruch.
Von Osten und Westen, von Norden und Süden werden sie kommen und zusammen zu Tisch sitzen im Reich Gottes. So, sagt Jesus, wird es sein, wenn Gott alles in allem ist, am Ende, wenn alles gut ist. Aber zugleich ist diese Tischgemeinschaft auch ein Bild, das uns zeigt, was jetzt wichtig ist, wenn etwas vom Reich Gottes unter uns aufscheinen soll.
 
Gemeinsam an einem Tisch sitzen, das ist gerade nicht möglich. Aber das Hoffnungsbild vom großen Tisch im Reich Gottes, an dem gerade die den Ehrenplatz einnehmen, die unter uns oft zurückstehen oder gar ausgestoßen werden, gibt uns die Richtung vor: wir kommen nur mit Solidarität durch die Krise – gemeinsam und wenn wir niemanden zurücklassen.
 
An wie vielen Küchentischen werden Corona-Regeln kontrovers diskutiert. In mancher Videokonferenz wird über die konkreten nächsten Schritte für das Gemeindeleben gestritten. Ist es verantwortlich, schon wieder Gottesdienst zu feiern? Wie werden wir denen gerecht, die das wöchentliche Treffen einfach brauchen? Wie unterstützen wir die Familien und die Kinder, die ohne Schule nicht zurechtkommen? Die Meinungen gehen oft weit auseinander. Manche Diskussion ist sehr emotional. Viele machen sich Sorgen um den Zusammenhalt in unserer Kirche, in unserer Gesellschaft, aber auch weltweit. Am Tisch Gottes kommen sie alle zusammen: von West und Ost und Nord und Süd.
 
Ja, die Sorge um den Zusammenhalt ist auch unser Auftrag, gerade als Christenmenschen: dass wir die Unterschiede aushalten, die Vielfalt, Begegnung und Kommunikation fördern und immer mal wieder „mit den Augen der anderen“ zu sehen versuchen.
 
Dann gibt es vieles, das Mut und Hoffnung macht. Jetzt im Januar finden an vielen Orten trotz aller Schwierigkeiten und mit vielen Vorsichtsmaßnahmen wieder Vesperkirchen statt. Menschen, die von Krise und Lockdown besonders hart betroffen sind, werden eingeladen – an Orten, wo das mit Abstand möglich ist – auch an den gedeckten Tisch in einer Kirche.
Viele Begegnungen mit Menschen aus Partnerkirchen in Süd und West und Ost mussten abgesagt werden und es gibt keine Gewissheit für neue Planungen. Aber wir sind in Kontakt. Anders als früher. Mehr auf Augenhöhe. Immer wieder werde ich gefragt – aus Kamerun zum Beispiel oder aus Indien: Wie geht es euch in Deutschland? Wir haben gehört, die Infektionszahlen steigen bei euch wieder. Wir beten für euch!

Ja, wir leben aus einer gemeinsamen Hoffnung und sind so im Gespräch – im Tischgespräch. Tischgemeinschaft ist gerade nicht möglich, aber die Gemeinschaft im Gebet ist stärker geworden. Wir leben aus einer gemeinsamen Hoffnung und auf ein gemeinsames Ziel zu. Das hält uns zusammen. Das gibt uns Kraft, zum Zusammenhalt beizutragen.
 
Das Wochenlied fasst diese Hoffnung wunderbar zusammen:
In Christus gilt nicht Ost noch West, es gilt nicht Süd noch Nord,
denn Christus macht uns alle eins in jedem Land und Ort.
Woher wir stammen, fragt er nicht. Er lädt zu Brot und Wein,
bringt alle uns an seinen Tisch, lässt uns dort eins sein.
 
In dieser Hoffnung können wir zuversichtlich nach vorne gehen. Wir werden wieder an einem Tisch sitzen. Wenn wir zusammenhalten, sind wir aufgehoben und behütet. Und das, was wir nicht schaffen, das liegt in Gottes Hand:
 
In Christus trifft sich Ost und West, er eint auch Süd und Nord,
schafft selbst die gute, neue Welt und spricht das letzte Wort.
(Neue Lieder 160,1.2.4)
 
 
 
  • Anne Heitmann
    Kirchenrätin, Leiterin der Abteilung für Mission und Ökumene
 
Gebet:
Lebendiger Gott,
vor dich bringe ich meine Sehnsucht nach ein bisschen Normalität,
nach Nähe und nach Gemeinschaft
und die Sehnsucht, dass doch endlich alles gut werde.
Vor dich bringe ich meine Sorge um die vielen Kranken und Trauernden,
um die Überforderten und die, die um ihre Existenz bangen.
Vor dich bringe ich die, denen nicht nur diese Krise,
sondern auch Krieg und Gewalt die Lebensgrundlage genommen haben.
Gib Du Halt, wenn ich haltlos werde.
Gib Du Hoffnung, wenn meine Hoffnung kraftlos wird.
Gib Du Kraft, dass ich die anderen nicht aus dem Blick verliere.
Gib Du Vertrauen, dass Du alles gut machen wirst.  
Amen