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Geistliche Abendmusik am 16.10.2005

Ein Genuss für die Ohren - ein musikalischer Weg durch die Zeit

Am 16. Oktober trafen sich über 100 Aktive in der Weinbrennerkirche, um die vielen Besucher der diesjährigen Geistlichen Abendmusik auf eine musikalisch anspruchsvolle und vielseitige Reise durch die Jahrhunderte mitzunehmen.

Der Posaunenchor Wössingen unter Leitung von Klaus Schneider öffnete dabei mit der zeitgenössischen "Lörracher Ouvertüre" von Jürgen Pfiester (* 1955) ein musikalisches Tor zum Abend - mit jedem weiteren Beitrag des Abends wurde gleichsam ein neuer Raum eines Hauses beschritten, in dem jeder Raum neue Klänge bereit hielt.

So standen im ersten Teil die "alten Meister" im Mittelpunkt, bei denen der Kirchenchor unter der Leitung von Brigitte Fahrer, verstärkt durch Sängerinnen und Sänger aus Dürrenbüchig, und begleitet durch das Streichorchester des Posaunenchors Söllingen, das Lob Gottes mit vielen Stimmen zum Ausdruck brachte.

Eine ausgesprochen virtuose Farbe brachte Hans-Joachim Zahnlecker an der Orgel mit in den Abend, der mit seinem "Concerto del Signor Taglietti" (von J.G. Walther 1684-1748) die Liebhaber der alten Musik erfreute. Somit ermöglichte auch er einen Einblick in die "barocken Zimmer" des Musikgebäudes. Den Bläserinnen und Bläser gelang es sehr gut, mit der Sonatina von J.S. Bach jene dichte und andächtige Atmosphäre wiederzugeben, die den Werken J.S. Bachs geheimnisvoll innewohnt. Ihm, dem Großmeister der (Kirchen-)Musik wird jenes Wort zugeschrieben, das als Motto über dieser Geistlichen Abendmusik stehen könnte: "Bei einer andächtig Musik ist allezeit Gott mit seiner Gnade gegenwärtig" (handschriftliche Anmerkung Bachs zu 2. Chronik 5, 15 in seiner Familienbibel). Die Werke Bachs, von Chor gesungen, von den Bläsern gespielt, bildeten den ersten Höhepunkt des Abends.

Im Mittelteil erlaubte die anspruchsvolle Suite für Blechbläser von Franz Liszt (1811-1886) ohne Frage einen staunenden Blick in den Festsaal des Gebäudes. Hier zeigte der Posaunenchor einmal mehr, dass nicht nur präzises Spiel und ausdrucksvolle Intonation unseren Chor auszeichnen - auch die Stilsicherheit, mit der die Bläserinnen und Bläser agierten, machte den Gang in dieses von der französischen Romantik geprägte musikalische Zimmer wiederum zu einem Genuss für die Ohren.

Mit der Toccata von David Hegarty (* 1961) beschritt Hans-Joachim Zahnlecker an der Orgel dann den Weg zurück zur Moderne. Die dann folgenden Stücke, ob von den Bläsern mit Schlagzeug begleitet (erstmals: Jonathan Pfetscher am Schlagwerk), ob vom Kirchenchor mit Querflöte und Gitarre, trugen unüberhörbar die Handschrift moderner Kirchenmusik.

Als alle in den Schlusschoral "Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen" einstimmten, war der spannende Weg durch die verschiedenen "Zimmer" der Kirchenmusik wieder für alle ein großer Gewinn: Die aktiven Sängerinnen und Sänger, Bläserinnen und Bläser sowie alle Instrumentalisten durften zufrieden auf die Geistliche Abendmusik zurückblicken. Die Gemeinde aus Nah und Fern spendete dafür reichlich Applaus, sodass der Kirchenchor als Zugabe noch einen "Abendsegen" (von Christian Lahusen 1886-1975) allen mitgab auf den Weg nach Hause.

"Bei einer andächtig Musik ist allezeit Gott mit seiner Gnade gegenwärtig." Das ist wohl einer der Gründe, warum dieser Abend zurecht "Geistliche Abendmusik" heißt: Weil es den Aktiven nicht zuerst um die eigene Ehre geht, sondern um die "Andacht", die Besinnung, die zentrale Aussage, dass wir unser Singen und Spielen einem anderen verdanken und damit auf ihn hinweisen. Das ist auch in diesem Jahr wieder ganz hervorragend gelungen.

Christoph Lang

 
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